klusgottesdienstWenn man über die Orgel in der Frotheimer Klus berichtet, muss man meiner Meinung nach zwei Abschnitte genau auseinanderhalten:

  1. Die Jahre vor 1935
  2. Die Jahre nach 1935

Der erste Abschnitt in der Geschichte der Klusorgel

Für den ersten Abschnitt haben wir den Bericht des Lehrers Detering in der Frotheimer Schulchronik.

Detering schreibt: …..

„was nunmehr noch erforderlich war, den Gemeindegesang zu verbessern….,., suchte ich durch meine Bemühungen der Kapelle dadurch zu verschaffen, da ich den Frotheimern eine vom Gut Hüffe für 80 Rtlr gekaufte Orgel für 70 Rtlr zur Aufstellung überließ „.

Als ich 1949 als Pfarrer nach hier kam, war mir die Schulchronik nicht zugänglich Es gab aber noch viele Alte, die etwas von dieser Orgel wussten. Sie erzählten mir zum einen, dass Lehrer Detering die Orgel von Hüffe gekauft habe und zum andern, dass auf dieser Orgel in Hüffe nicht geistliche, sondern weltliche Musik gespielt worden sei. Unsere Orgel spielte bei großen Festen, Galadinners und Tanzveranstaltungen. Dazu ist sehr bemerkenswert, was von der Horst in „Die Rittersitze der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Mindens“ (I. S. 4) schreibt. 1773 kaufte der Oberst Jungkenn das Gut.

„Der …… Oberst ….. stand in hessischen Diensten und war mit dem Landgrafen von Hessen-Kessel sehr befreundet. Letzterer war auch einmal wochenlang mit seinem ganzen Hofstaat in Hüffe zu Besuch. Das Gut soll nie lustigere Tage gesehen haben als die, an welchen der Landgraf in den Mauern von Hüffe weilte und Opernsängerinnen etc. aus Kessel mitgebracht waren.“

Die Erinnerung an diese lustigen Tage hat sich noch lange gehalten, denn vielleicht ist die Orgel um diese Zeit angeschafft worden (etwa 1775-1780). Die Verwendung einer Orgel für weltliche Musik hat es in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts häufig gegeben. Als die Orgel von Hüffe dann 1818 nach Frotheim kam, wurde aus der strahlenden Prinzessin eine dienstbare Magd. Sie diente dazu, den Gemeindegesang bei den Gottesdiensten in der Klus am Sonntagnachmittag zu begleiten. Nach 1842 kam dann noch die Begleitung des Gemeindegesangs der Trauergottesdienste hinzu.

Wie mag es unserer „Prinzessin“ wohl in allen Jahren bei ihren vielen Diensten ergangen sein? Wer hat unsere schöne Orgel gepflegt oder repariert? Niemand hat mir je etwas davon erzählt. So wurde sie immer klappriger, bis sie endlich ihren Geist aufgab (m.E. um die Jahrhundertwende). Man dachte aber gar nicht daran, sie zu reparieren, sondern schaffte als Ersatz ein Harmonium an (ganz im Sinne des damaligen musikalischen Geschmacks). Erwähnt sei noch, dass Organisten in der Klus immer die Frotheimer Lehrer gewesen sind. Der letzte dieser Organisten war Lehrer Schwier von Diekerort noch 1935.

klus_alt5Der zweite Abschnitt in der Geschichte der Klusorgel

1928 erfolgte in unserer Kirchengemeinde ein Wechsel im Pfarramt. Im Frühjahr dieses Jahres ging Pfr. Winckler nach 44-jähriger Amtszeit in den Ruhestand, im Herbst desselben Jahres kam Pfarrer Reinecke nach hier. Ihm verdanken wir für die Klus sehr viel. So wurde sie Anfang der 30er Jahre durch den Kirchenmaler Bußmann aus Levern gründlich renoviert; 1935 konnte Pfr. Reinecke die Vertretungen der Kirchengemeinde davon überzeugen, dass nun auch die Orgel restauriert werden müsste. Am 29.5.1935 brachte er folgenden Beschluss zustande:

„Da die alte mechanische Orgel in der Kapelle zu Frotheim gemäß Kostenanschlag Steinmann – Wehrendorf für 600 Mark in Stand gesetzt wird und die politische Gemeinde Frotheim das Harmonium in der Kapelle nach Instandsetzung für 100 Mark der Kirchengemeinde für Aufstellung im kirchlichen Gemeindehaus schenkt, bewilligt die Gesamtvertretung den Betrag für die Orgelreparatur.“

Damit war unsere alte Orgel in der Klus gerettet!

Der Orgelbauer Steinmann ging auch sofort an die Arbeit. Schon Anfang Juli war die Orgel fertig gestellt. Vor der Einweihung der Orgel erschien am 5. Juli 1935 ein Bericht im Lübbecker Kreisblatt, der hier auszugsweise wiedergegeben wird:

„Erneuerung der Klus-Orgel

Isenstedt-Frotheim, 5. Juli. Die alte, wertvolle Orgel in der der Dorfgemeinde Frotheim gehörenden Klus…..ist auf Anregung des Evangelischen Pfarramtes einer gründlichen Durchsicht, Reparatur bzw. Erneuerung unterzogen worden. Der erste Anlass dazu war die Äußerung des Kirchmeisters gelegentlich einer Abendmahlsfeier in der Klus, daß die bis dahin seit langen Jahren nicht mehr benutzte Orgel früher einen lieblichen und schönen Klang gehabt habe, was ebenso ein älterer Einwohner bestätigte. Dieser Äußerung nachgehend regte das Pfarramt an, die Orgel von einem Fachmann in der Orgelbaukunst nachsehen und feststellen zu lassen, ob sich eine Wiederherstellung lohnen werde. Diese Aufgabe wurde dem Orgelbaumeister unseres Minden-Ravensberger Landes, Herrn G. Steinmann, Vlotho-Wehrendorf, übertragen. Dieser stellte auf Grund genauer Untersuchung fest, da die kleine Klus-Orgel mit angehängtem Pedal ein altes Werk mit mechanischer Schleiflade und daher ein Positiv ist, dessen System früher in jeder Beziehung erstklassig gewesen sein muss. Das Pfeifenwerk sowie das Innere der Orgel war stark verschmutzt, die Pfeifen selbst zum Teil ganz verbeult und unbrauchbar. Da die Mechanik sich noch gut verwenden ließ, kam eine gründliche Reparatur der Einzelteile wie: Traktur, Windladen und Pfeifenwerk in Frage, ebenso eine völlige Erneuerung des Gebläses und Anbringung zweier Schöpfbälge mit ein- und auswärts gehenden Falten, wähhrend der alte Kastenbalg nur einen Schöpfer gehabt hatte…… Die Klusorgel ist nunmehr wieder hergestellt, Da das vom Holzwurm zerfressene Gehäuse bei den Wiederherstellungsarbeiten……völlig auseinanderfiel, ist ein neues, würdiges Gehäuse (Eiche) hergerichtet wurden, dessen Ausführung und Behandlung einen guten Eindruck macht. Der Gesamtklang ist wieder ausgezeichnet durch Wärme und zarten Schmelz und dürfte für die Begleitung des Gemeindegesangs sowie Darbietung einfacher guter Orgelkompositionen recht geeignet sein. Die Bässe tragen das gesamte Spiel mit ihrem satten und vollen Ton. In Piano und vollem Werk ist die Orgel durchaus ansprechend. Nach dem Gutachten des Orgelbaumeisters ist die Klusorgel nun wieder ‚ein Denkmal alter Orgelbaukunst und zugleich ein Muster für den Orgelbau unserer gegenwärtigen Zeit.‘ – Die Einweihung und erste Benutzung der neu hergestellten Klusorgel findet in einem Weihegottesdienst am kommenden Sonntag, 7. Juli, abends 18 1/2 Uhr statt. Die Orgel wird gespielt von dem Klusorganisten, Lehrer Schwier, Diekerort, während der Ortspfarrer die Einweihung vornimmt. Pflege und Instandhaltung der Kapellenorgel ist dem Kapellenwart Finke anvertraut. Die Weihefeier steht unter dem Motto: „Singet und spielet dem Herrn und dichtet von seinen Wundem!“

Nach der Einweihung schrieb das Lübbecker Kreisblatt unter der Überschrift „Weihe der Klusorgel“ in der Ausgabe vom 8. Juli u.a.

„Im Abendmahlgottesdienst wurde die…..neu hergestellte Klusorgel feierlich geweiht und von der Gemeinde in Gebrauch genommen. Da der Organist der Kapelle, Lehrer Schwier, Diekerort, durch Erkrankung verhindert war, spielte der Hilfsorganist der Kirchengemeinde Isenstedt-Frotheim, Wilh. Koch, Isenstedt-Renkhausen, die Orgel…… Zum ersten Mal im Gottesdienst nach langen Jahren erklang nun die kleine alte Orgel im Vorspiel und Begleitung des Gemeindegesanges…… Die Orgel, einst lieblich klingend, bestimmt, den Gottesdienst zu verschönern und das verkündigte Wort Christi zu untermalen, den Gemeindegesang zu begleiten und auch im Orgelsolo die Gemeinde zu erbauen und zu erfreuen, hatte infolge schwerer Beschädigung wie lange schon still und stumm dagestanden, bis man im Frühjahr ds. Js. beschloß, sie überholen und neu herstellen zu lassen. Dies ist nun geschehen. Gott segne alle, die ihren charakteristischen, oft lieblichen, oft herben Klang vernehmen, alle, die auf ihr den Gemeindegesang begleiten oder im Orgelsolo spielen und endlich die, die zu ihrem Klang der Gemeinde von amtswegen das Wort Christi zu sagen haben. Möge die erneuerte Orgel lange bleiben, gespielt und gehört werden können zu Gottes Ehre und zur Erbauung der Gemeinde, denn – Gott loben, das ist ihr Amt!“

Soweit die Berichte des Lübbecker Kreisblattes. Sie geben eine Reihe wichtiger Hinweise:

  1. 1935 ist die Erinnerung an die alte Orgel nicht verblasst, man weiß noch: sie war einst „lieblich klingend“. Wenn es heißt. „zum ersten Mal nach langen Jahren erklang nun die kleine alte Orgel“, so weiß man eben, wie lange sie nicht mehr spielbar war.
  2. Die eingeweihte Orgel wurde „repariert“, „erneuert“, „neu hergestellt“, „instandgesetzt“! Der Zeitungsartikel vom 5. Juli gibt genaue Auskunft darüber, welche Teile der Orgel erneuert werden mussten und welche repariert werden konnten. Auf jeden Fall hat der Orgelbaumeister Steinmann unter Verwendung der brauchbaren Teile ein Orgelwerk hergestellt, das durchaus in der Lage war, den Gemeindegesang zu begleiten.
  3. Endlich geben die Zeitungsberichte Auskunft über die Organisten der Klusorgel. 1936 war es noch Lehrer Schwier. Damals ist das Amt auf Herrn Wilhelm Koch übergegangen. Im Zeitungsbericht wird er noch als Hilfsorganist bezeichnet. Kurze Zeit später legte er dann seine Organistenprüfung ab und wurde von der Kirchengemeinde als Organist für die Kirche und für die Klus angestellt. Dies Amt hat er bis 1975 ausgeübt.

Wie ist es nun mit der Orgel in der Klus weitergegangen? Sie hat bis zum Ende der Klusgottesdienste ihren Dienst getan: gespielt von dem Organisten der Kirchengemeinde, Wilhelm Koch. Viele Gottesdienste in der Klus habe ich in der Zeit von meinem Dienstantritt im Jahre 1949 an mit Herrn Koch zusammen gestalten können. Sie sind mir noch in guter Erinnerung.

Als dann die neue Friedhofskapelle fertig war, hat die Kirchengemeinde auf Wunsch der Frotheimer die Gottesdienste dorthin verlegt. Bis dahin war die Orgel in einem guten spielbaren Zustand, denn Herr Koch hat die Orgel nicht nur gespielt, sondern auch gepflegt. Somit hat die Orgel nach der Renovierung 1935 noch bis zum Auszug aus der Klus 1970 ihren Dienst getan. Daran können sich noch viele Frotheimer gut erinnern.

Friedrich Heufer

Nachträgliche Ergänzung

Die Klus-Orgel wurde 1997/98 noch einmal von der Firma Speith-Orgelbau Rietberg grundlegend restauriert.

Bei der Zerlegung der Windanlage fand sich im Innern der Balkenanlage folgende Inschrift:“Georg Quellhorst, Osnabrück, 1791 im Monath Juny“. Auf dem Wellenbrett der Spieltraktur befand sich eine weitere Inschrift: „1791 G. Quellhorst“. Georg Quellhorst wurde am 20.2.1770 in Lavelsloh geboren. 1788 arbeitete er als Geselle Eberhard Berners. danach arbeitete er zusammen mit Heinrich Gottfried Mügge in der Werkstatt Courtains in Burgsteinfurt (Jakob Courtain baute u.a. 1784/90 die Orgel für den Dom zu Osnabrück). Seit 1800 war Quellhorst selbständig. Seine erste Arbeit war die Aufstellung der alten Diepholzer Orgel in Brockum. Ob die Orgel in der Klus gänzlich von Georg Quellhorst gefertigt wurde, bleibt fraglich. Die Orgel könnte auch aus der Werkstatt des Orgelbauers Berner stammen. Aufgrund der beiden Inschriften kann man aber mit Sicherheit das Jahr 1791 als Erbauungsjahr der Orgel annehmen (der Autor des Beitrags vermutete die Zeit 1775-1780).