Es war Sitte und Brauch, dass nach der Christianisierung die Toten in der Nähe der Kirche auf dem „Kirchhof‘ beerdigt wurden. Frotheim gehörte zum Kirchspiel Gehlenbeck. Etwa um 1100 wurde die Gehlenbecker Kirche gebaut. Es ist anzunehmen, dass seit dieser Zeit auch die Toten aus Frotheim in Gehlenbeck beerdigt wurden. In der Gemeinde selbst gibt es keinen Hinweis auf einen Bestattungsplatz, während Fundorte aus vorchristlicher Zeit reichlich vorhanden sind.

Der Weg zum Gehlenbecker Friedhof war weit und beschwerlich. Es gab keine festen Straßen. Die Wege mussten zu Fuß zurückgelegt werden. Die Überführung der Toten zum Friedhof war bei den grundlosen Wegeverhältnissen oft ein Abenteuer. Es war daher nur zu verständlich, dass die Frotheimer einen eigenen Begräbnisplatz in ihrer Gemeinde haben wollten. Sie wollten ihre Verstorbenen in ihrer Nähe wissen, um die Gräber besuchen und pflegen zu können.

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Bemühungen unternommen, einen Friedhof anzulegen. Zunächst musste jedoch, so verlangte es die Behörde, ein Raum geschaffen werden, in dem nach der Beerdigung die Trauerfeier abgehalten werden konnte. Diese Bedingung wurde 1838 mit dem Bau der Klus erfüllt und damit die Voraussetzung für die Anlage eines Leichenhofes geschaffen.

Unerklärlicherweise wurden jedoch erst 1838 die Verhandlungen für den Grunderwerb und für die Anlage eines Leichenhofes wieder aufgenommen. Die „Akta-Speziales zur Anlegung eines Leichenhofes in Frotheim“ von 1838 berichtet ausführlich über die schwierigen Verhandlungen, die mit den Behörden geführt werden mussten.

Der Leichenhof sollte östlich und nördlich der Kapelle angelegt werden. Die Grundstücke gehörten dem Kolon Heinrich Keller Nr 25 und Kolon Gottlieb Hellmann Nr.20 in Frotheim. Nach langjährigen Verhandlungen wurden vom Kolon Keller 1 Morgen 59 Ruten und vom Kolon Hellmann 31 Ruten und 20 Fuß Ackerland erworben, und zwar zu einem Gesamtpreis von 279 Talern.

klus_alt7Die Verhandlungen wurden vom Kolon Riechmann und vom Kolon Schwein seitens der Gemeinde Frotheim geführt. In der Urkunde darüber heißt es:

„Den Kolonen Riechmann und Schwein zu Frotheim ist die anliegende Berechtigung zur Abschließung eines gerichtlichen Vertrages über das von Keller und Hellmann zu Frotheim zum neuen Leichenhof angekaufte Grundstück mit der Aufgabe zu gefertigen, vor Abschluß des Vertrages weitere Informationen mündlich in Empfang zu nehmen.“

Da die Grundstücke noch zehntpflichtig waren, musste auch noch die Ablösungssumme an den Grundherrn gezahlt werden. Darüber, wer die Ablösungssumme zahlen sollte, entbrannte ein heftiger Streit, so dass alles zunächst wieder in Frage gestellt schien. In einem Brief an die Gemeinde Frotheim seitens des Kreises vom 23. Januar 1842 heißt es:

„Unter Überweisung der Anlagen bitte ich ganz gehorsamst die steuerlichen Angaben von dem Grundstück, welches der Kolon Keller zur Anlegung eines Leichenhofes verkaufen will sowie auch die ganze Ablösungssumme recht bald berechnen zu lassen, damit versucht werden kann, ob die Gemeinde die Ablösungssumme übernehmen will, da der Kolon Keller den Verkauf sonst wohl nicht bewilligen wird und es sehr zu bedauern wäre, wenn die nützliche und hübsche Anlage nicht zustande käme.“

Schließlich erklärte sich die Gemeinde Frotheim bereit, die Ablösungssumme von 26 Talern, 1 Silbergroschen und 6 Pfennigen zu bezahlen. Damit waren nun die letzten Hindernisse aus dem Weg geräumt, so dass mit der Herrichtung des Leichenplatzes begonnen werden konnte.

Für Grunderwerb, Herrichtung des Landes, Ablösung des Zehnten und Beschaffung der nötigen Geräte mussten 482 Taler, 13 Silbergroschen und 5 Pfennige seitens der Gemeinde aufgebracht werden. Die Unkosten waren jedoch bald durch den Verkauf der Erbbegräbnisstätten mehr als gedeckt. 185 Begräbnisplätze zu je 6 Grabstellen wurden ausgewiesen.

In einer weiteren Urkunde heißt es:

„Zum Ankauf eines Erbbegräbnisplatzes auf dem neuen Leichenhof meldeten sich am 5. Dezember 1842 nachstehenden Familien: ……“

Es folgen dann 185 Namen, so dass alle ausgewiesenen Erbbegräbnisstätten verkauft waren. Da sich einige Familien mehrere Erbbegräbnisstätten sicherten, war die Kapazität des Friedhofes bald erschöpft, so dass 1871 schon die erste Erweiterung erfolgen musste. Es wurden Ländereien vom Kolon Buhrmann-Sander Nr. 14 erworben.

Eine neuerliche Erweiterung erfolgte im Jahre 1902 durch den Erwerb von Grundstücken von Kolon Bartmann Nr. 20, Buhrmann-Sander Nr. 14 und Rabenort Nr. 24 (genannt Quade). 1922 wurden weitere Ländereien erworben. Im Jahre 1968 erfolgte die letzte Erweiterung mit 54 Erbbegräbnisstellen zu je 4 Grabstätten und 16 Einzelgräbern.

Bis zum Jahre 1913 wurden die Särge auf einem Leiterwagen zum Friedhof gebracht. Nach der Beerdigung fand dann in der Klus der Trauergottesdienst statt. Im Jahre 1913 wurde seitens der Gemeinde ein Leiterwagen angeschafft und eine Leichenwagenhalle gebaut.

Da in den Siedlungshäusern keine Gelegenheit mehr war, die Toten aufzubahren, um sie von zu Hause aus zu beerdigen, wie es bis dahin üblich war, wurden 1966 Leichenkammem nördlich der Klus erbaut. Die Klus selbst diente von 1967 bis 1971 vorübergehend ab Begräbniskapelle. Da diese Lösung nicht befriedigte, wurde 1971 die heutige Friedhofskapelle mit den erforderlichen Nebenräumen und einem großen Parkplatz erstellt.

Nach der kommunalen Neuordnung im Jahre 1973 wurde der Friedhof von der Stadt übernommen. Verbunden damit war eine neue Regelung der Eigentumsverhältnisse der Begräbnisstellen. Die Erbbegräbnisstellen wurden aufgehoben und, wie allgemein üblich, eine 30jährige bzw. eine 40jährige Ruhezeit festgelegt Viele Frotheimer räumten damals ihre alten Grabstätten, und in wenigen Wochen war ein Großteil der alten Grabsteine verschwunden, leider gingen damit auch viele Zeugen aus vergangener Zeit verloren. Die Stadt hat den Friedhof neu eingegrünt, so da er heute einen gepflegten Eindruck macht.

Zur Geschichte des Frotheimer Friedhofes gehört auch die Gedenkstätte für die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege. Schon bald nach dem letzten Weltkrieg wurde im Jahre 1946 trotz großer Schwierigkeiten die erste Gedenkstätte für die Gefallenen des 2. Weltkrieges geschaffen. Östlich der Klus wurde ein Ehrenplatz hergerichtet. Fichtenholz wurde gekauft, und bald waren die Namen der Gefallenen von dem damals in Frotheim lebenden Künstler und Bildhauer Blanke eingeschnitzt. In vier Reihen zwischen sauberen Wegen kündeten bald 90 Holzkreuze von der L,iebe und Treue einer dankbaren Gemeinde. Überragt wurden diese Holzkreuze von einem großen Holzkreuz mit den Inschriften:

„Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde“ und

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal al, haltet an am Gebet“.

Eingeweiht wurde diese Gedächtnisstätte am Totensonntag 1946. Ende der 50er Jahre wurden in der Gemeinde Stimmen laut, ein gemeinsames Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege zu errichten, zumal das Ehrenmal an der Isenstedter Kirche abgerissen worden war und die Holzkreuze auf dem Friedhof morsch wurden. In einer in der Gemeinde durchgeführten Abstimmung entschied sich die Mehrzahl für den Standort an der Ostseite der Kapelle längs der Kösterstraße. Das neue Ehrenmal wurde am 28.August 1960 von Pastor Heufer feierlich eingeweiht. Die Namen der Gefallenen und Vermissten künden von dem großen Leid, das die beiden Weltkriege auch in unserer Gemeinde hinterlassen haben. Durch eine Kranzniederlegung am Ehrenmal gedenkt die Gemeinde alljährlich der Opfer beider Weltkriege.

Heinrich Brinkmann