nach einer Veröffentlichung in den Espelkämper Nachrichten (Juli 1990)
sowie einem Bericht von Pfarrer Friedrich Heufer im Buch zum 750-jährigen Jubiläum Isenstedts

Die Gemeinde lsenstedt gehörte bis 1880 zum Kirchspiel Gehlenbeck. Die Isenstedter hatten jedoch schon lange eine kleine Klus. Sie wird zum ersten mal 1650 nach dem 30-jährigen Krieg erwähnt, als das Fürstentum Minden – heute etwa der Kreis Minden-Lübbecke – zum Kurfürstentum Brandenburg kam. In einer Bestandsaufnahme wird für Isenstedt erwähnt, dass es eine Kapelle hat. Hundert Jahre später, 1749, sind Abrechnungen über den Kapellenfonds überliefert, nach denen die Unterhaltung der Kapelle durch die Verpachtung von sechs Grundstücken gewährleistet wurde, die von der Bauerschaft Isenstedt verwaltet wurde. Die Kapelle hatte ihren Standort auf dem noch heute im Volksmund genannten  „Kliusbrink“ in der Nähe des Landwirts Schofeld Nr. 8.  In der Nähe der Klus soll der Überlieferung nach auch ein „Liekenacker“ (Leichenacker) gewesen sein. In alten Zeiten war es Brauch, Leichenhöfe oder Friedhöfe in der Nähe der Gotteshäuser anzulegen. Bei Erdarbeiten im vorigen Jahrhundert sollen hier noch Reste von Knochen gefunden worden sein, die auf das Vorhandensein eines alten Gräberfeldes schließen lassen. Bis zum Jahre 1821 hat diese alte „Klus“ hier ihren Standort: gehabt. Sie war dann aber so baufällig geworden, dass sie im Jahre 1821 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Sie wurde jedoch nicht auf ihrem alten Standort erbaut, sondern in der Nähe der heutigen alten Isenstedter Schule. In ihr fanden zweimal im Jahr Abendmahlsfeiern für kranke und ältere Menschen statt. Ansonsten wurden Lesegottesdienste vom amtierenden Schulleiter gehalten.

ln dieser Klus oder Kapelle war eine Glocke, die ihres vollen wunderbaren Klanges wegen bei allen Isenstedtern, die sie noch gehört haben, sehr beliebt war. Auf ihrem Mantel waren in dicken Bändern die Namen derer, die für die Anschaffung der Klus Spenden geleistet hatten, mit deren Höhe eingegossen.In einem kleinen Dachreiter wurde die alte Bronzeglocke aufgehängt. Die alte Zugglocke, auch Betglocke genannt, mahnte die Gemeindemitglieder dreimal täglich zum Gebet: morgens um 7 ihr, mittags um 12 und abends um 6 ihr läutete sie den Feierabend ein. Sie rief die Bewohner zum Gottesdienst, kündete einen Todesfall in der Gemeinde an und begleitete die Toten auf ihrem letzten Weg. Stürmisch geläutet forderte sie die Bewohner zur Hilfe auf, wenn eine Feuersbrunst ausgebrochen war. So begleitete sie in guten und bösen Tagen mit ihrem hellen Klange das Leben der lsenstedter. An ihrem Klange wussten die Isenstedter Bürger genau, was ihnen die Glocke zu sagen hatte. Als im Jahre 1880 die heutige lsenstedter Kirche eingeweiht wurde, mit einem eigenen Pfarrer und einer eigenen Kirchengemeinde gegründet wurde, hatte die Klus ausgedient. Im Jahre 1892 verstummte die Glocke ganz, als die Klus teilweise abgerissen und zum Lehrerwohnhaus umgebaut wurde. Die Glocke fristete in den nächsten Jahren auf dem Schulboden ihr Dasein. Als bauliche Veränderungen an der Schule vorgenommen wurden, kam sie für kurze Zeit in einem alten Torfstall unter. Von hier wurde sie kurz vor dem 1. Weltkrieg auf Veranlassung des damaligen Geistlichen, Herrn Pfarrer Winkler, zur Kirche geschafft. Im Glockenturm erhielt sie ihren Ehrenplatz. Doch nicht lange Zeit hat sie hier gestanden. Wie viele Glocken musste auch sie abgeliefert werden. 1917 wurde sie abgeholt, und niemand weiß so recht, wo sie geblieben ist. Noch immer wird erzählt, dass sie nicht eingeschmolzen sei. Jedoch blieben alle Bemühungen um Auskunft über die Glocke ohne Erfolg.

Diese alte verschollene Klus-Glocke hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Niemand kann sagen, wann und wo sie gegossen worden ist. Als die Napoleonischen Heere nach ihrer Niederlage 1814 zurückfluteten, kamen auch Teile der geschlagenen Armee durch Isenstedt: Der Fahrer eines Verpflegungswagens hatte den Klang der „Klus-Glocke“ gehört und sein Interesse erweckt. Sei es, dass es der schöne Klang der Glocke ihm angetan hatte, sei es, dass er ein Souvenir mitgehen lassen wollte. Er ließ anhalten und die herrliche Bronzeglocke aus der Klus holen. Schnell wurde sie im Wagen verstaut. Dies hatte der damalige 70jährige Bauer Tonjes Halwe beobachtet. Es galt schnell zu handeln, um die schöne Glocke nicht für immer verschwinden zu lassen. Was war zu tun? Die Franzosen mussten abgelenkt und überlistet werden. Er wusste, dass es der Truppe an Proviant mangelte. So bändelte er mit den Franzosen an und gab ihnen zu verstehen, dass in der Nähe bei einem Bauern gerade geschlachtet worden sei und das sie sich dort sicherlich ohne Schwierigkeiten mit frischem Fleisch versorgen könnten. Die Soldaten ließen Pferd und Wagen stehen und eilten zu dem nahe gelegenen Bauernhof. Das Ziel des Bauern war erreicht. Der Wagen stand verlassen da. Schnell eilte er dorthin, riss unter Aufbietung aller Kräfte die Glocke vom Wagen und warf sie mit einem mächtigen Schwung in einen in der Nähe gelegenen Fischteich und verschwand. Die Glocke war gerettet und verschwunden. Die Franzosen werden lange Gesichter gemacht haben. Niemand wusste, wo die Glocke geblieben war. Und der Bauer schwieg. Erst lange nach Friedensschluss, als für die Glocke keine Gefahr mehr bestand, gab Bauer Halwe sein Geheimnis preis. Eines Tages erschien er bei seinem Nachbarn und sagte ihm, dass es doch wohl mal an der Zeit sei, den verschmutzten Fischteich abzulassen. Er sei voller Fische und müsse doch mal gereinigt werden. Der Bauer stimmte zu, und mit vereinten Kräften ging es an die Arbeit. Das Wasser wurde abgelassen. Neben einer großen Menge Fische kam die vermisste Klus-Glocke zum Vorschein. Bauer Halwe schmunzelte und erzählte nun den staunenden Isenstedtern seine Geschichte. Bald darauf rief nun die Glocke wieder die gläubige Gemeinde zu Andacht und Gebet. Doch die Kapelle wie auch der Dachreiter waren alt und baufällig geworden. Eine neue Klus musste gebaut werden. Und das geschah, wie schon erwähnt, im Jahre 1821 an der Stelle neben der alten Schule. Im festlichen Zug wurde die alte Glocke in die neue Klus übergeführt. Hier hat sie vom Frühjahr 1821 bis zum Jahre 1892 treu ihre Dienste geleistet.

kruzifix

Zu berichten ist ferner von dem Altarkreuz, das in der alten Kapelle stand. Es steht heute auf dem Altar der lsenstedter Kirche. Etwa um 1350 soll es entstanden sein. Da alle Akten über die alte Klus verbrannt sind, weiß auch niemand, wie dieses Kreuz in die ehemalige alte Kapelle gekommen ist. Charakteristisch ist, dass an jedem Ende der Kreuzesbalken das Symbol eines der vier Evangelisten, die das Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen von Christus bezeugen, Matthäus (Mensch), Markus (Löwe), Lukas (Stier) und Johannes (Adler), angebracht sind. Nachdem es nicht mehr in der Kapelle seinen Ort fand, war es verschwunden.1930 wurde es bei Aufräumarbeiten auf dem Schulboden gefunden. Der damalige Hauptlehrer Fritz Möhring brachte es zu Pfarrer Johannes Reinecke. Da gerade die Kirche zum 50. Kirchenjubiläum renoviert wurde, wurde das Kreuz vom Kirchenmaler Bußmann aus Levern gereinigt und wieder instandgesetzt und an die rechte Säule am Eingang zum Altarraum angebracht. Zum 75. Jubliäum der Kirche wurde die Kirche erneut renoviert. Als dabei festgestellt wurde, dass die hölzerne Rückwand am Altar wurmstichig geworden und eine Restaurierung nicht mehr möglich war, entschloss man sich, das alte Isenstedter Kreuz stattdessen auf den Altar zu stellen. Von dem Künstler, der die Altarleuchter fertigte, Stuhlmöller aus Hamburg, wurde auch ein Sockel für das Kreuz hergestellt, auf dessen Vorderseite die 12 Apostel symbolisch dargestellt sind.