renkhausenEs war aber noch ein weiter Weg, bis der Wunsch der Stifterin in Erfüllung ging. Bevor wir den weiteren Verlauf der Verhandlungen verfolgen, wollen wir doch zunächst fragen: wer war diese Frau, die mit ihrer hochherzige Spende die Errichtung unserer Kirchengemeinde und den Bau unserer Kirche ermöglichte? Als sie im September 1873 ihre Schenkung machte, war sie die alleinige Besitzerin des Gutes Renkhausen. Dieses ehemalige Rittergut Renkhausen ist seit dem Mittelalter bekannt und hat im Laufe von 300 Jahren mehreren adeligen Familien gehört. Dies kann man nachlesen in dem Buch „Die Rittersitze der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Minden“. Dort heißt es von dem letzten adeligen Besitzer: „Nachdem Heinrich Freiherr von Korff majorenn (großjährig ) geworden war, verkaufte er, weil er im Hasard (Glücksspiele) bedeutend verloren, das Gut.“ Dieses kauften im Jahre 1816 drei Lübbecker Bürger, nämlich die Kaufleute F. W. Knollmann und Karl Stille und der Steuereinnehmer Gerlach. Im folgenden Jahr erwarb dann der Kaufmann Karl Stille das alleinige Eigentum. Im Jahre 1826 verheiratete er sich mit Agathe Heidsiek aus Lübbecke. Nach dem Tode von Karl Stille blieb seine Witze im alleinigen Besitz des Gutes Renkhausen, zu dem noch ein Hofgut in Lübbecke gehörte, da sie mit ihrem Ehemann im Gütergemeinschaft gelebt hatte. Dieser Witwe Agathe Stille verdanken wir unsere Kirche. Was hat sie wohl zur Stiftung dieser großen Summe bewogen? In der Schenkungsurkunde gibt sie drei Gründe dafür an:

  1. die Entfernung der Gemeinden Isenstedt und Frotheim von der Kirche in Gehlenbeck ist viel zu groß, um Alten und Schwachen den Besuch des Gottesdienstes zu ermöglichen;
  2. die Kirche in Gehlenbeck ist für die gegenwärtige Seelenzahl des Kirchspiels zu klein, so dass nicht alle darin Platz haben;
  3. die weite Entfernung unserer Dörfer von der Pfarre in Gehlenbeck und ihre zerstreute Lage machen eine seelsorgerliche Betreuung durch den einen Pfarrer unmöglich.

Diese drei sehr stichhaltigen Gründe sind nicht die einzige Ursache dieser Stifterin gewesen. Aus ihrem Testament geht hervor, dass sie diese 30.000 Thaler eigentlich den Gemeinden Isenstedt und Frotheim zur Errichtung eines Armenhauses geben wollte. (Mit der Bezeichnung Armenhaus ist wahrscheinlich ein Pflegehaus für diejenigen Alten und Kranken gemeint, die zuhause keine Pflege erwarten konnten; ein Haus, wie es in Obernfelde steht ) Von diesem Vorhaben hat sie aus zwei Gründen Abstand genommen: einmal war es nicht möglich, genügend Diakonissen für dieses Haus zu gewinnen, und zum anderen schien der Bedarf an Pflegeplätzen in unseren beiden Dörfern gar nicht so groß zu sein. So änderte Frau Stille ihr Testament und gab die für das Armenhaus ausgesetzte Summe für den Neubau unserer Kirche. Dieser Entschluss, ein solches Kapital – nach heutiger Währung circa 1.500.000 DM (800.000 Euro) – zu verschenken, dürfte nicht spontan gekommen sein, sondern wird gereift sein unter den schweren Schicksalsschlägen der letzten Jahre ihres Lebens. Im September 1871 verlor sie ihren einzigen Sohn. Wie mir immer erzählt worden ist, stürzte er in einen Moorgraben und ertrank. Er hinterließ zwei unmündige Söhne, von denen einer im Mai 1873 im Alter von zwölf Jahren ebenfalls verstarb. Die Stifterin selbst hat sicher gefühlt, wie ihre Kräfte abnahmen. So bestellte sie ihr Haus. Ihre Kinder waren versorgt. Aber nicht ihnen allein galt ihre Fürsorge, sie fühlte sich auch den Menschen verbunden, unter denen sie fast 50 Jahre gelebt hatte. Nachdem ihre Absicht, ein Haus zu schaffen, in dem christliche Liebe tätig werden konnte, sich nicht verwirklichen ließ, stiftete sie ein Haus, in denen Menschen in Ruhe sich versammeln können, um die Botschaft von der Errettung zu hören, um dadurch zum Glauben und zum inneren Frieden zu kommen. Die Stifterin hat die Gründung einer eigenen Kirchengemeinde und den Bau der Kirche nicht mehr erlebt: am 18. Oktober 1874 verstarb sie. Als Todesursache gibt das Lübbecker Sterberegister Altersschwäche an. Als Testamentsverwalter hatte sie ihren Schwiegersohn, Regierungsrat Süs in Minden, eingesetzt, der die Bestimmungen ihres Testamentes mit großer Gewissenhaftigkeit ausgeführt hat.

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