Siebold_klein02Am 27. Juli 1880 wurde der erste Pfarrer zu Isenstedt-Frotheim, Paul Siebold, hier in sein Amt eingeführt. kirchegehlenbeckVor diesem Zeitpunkt gehörten Isenstedt und Frotheim zusammen mit Gehlenbeck, Eilshausen und Nettelstedt zu einem Kirchspiel, dessen Kirche und Pfarrhaus in Gehlenbeck standen. In Isenstedt gab es von alters her eine Kapelle. Sie hat zuerst im Isenstedter Dorf gestanden. Später ist sie neben der alten Schule neu erbaut worden. In ihr fanden wahrscheinlich zweimal im Jahr Abendmahlsfeiern für die Alten und Kranken statt. Sonst aber wurden nur Lesegottesdienste durch den Lehrer gehalten. Zu allen Gottesdiensten, Taufen und Trauungen musste man nach Gehlenbeck gehen. Auch die Kinder mussten dort hin zum kirchlichen Unterricht. Der einzige Friedhof des Kirchspiels war ebenfalls in Gehlenbeck. Das empfand man schon lange als eine große Last. Darum legten sich die Frotheimer schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts einen eigenen Friedhof an. Um dort aber beerdigen zu können, brauchten sie einen gottesdienstlichen Raum; denn nach der damaligen Beerdigungsordnung fand der Trauergottesdienst unmittelbar nach der Beisetzung statt. Wenn also in Frotheim Beerdigungen stattfinden sollten, musste als Ersatz für eine Kirche wenigstens eine „Klus“ erbaut werden. Selbst die Errichtung dieses schlichten Fachwerkbaus ist den Frotheimern im Jahr 1818 nicht leicht gefallen.

An den Bau einer eigenen Kirche dachte niemand, denn es herrschte überall, nicht nur in unserer Gemeinde, große Armut, weil seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts ganz Europa unter den Eroberung kriegen Napoleons zu leiden hatte. Auch unsere Heimat war von den Franzosen besetzt. Es gehörte zusammen mit Hessen und großen Teilen Niedersachsens zu dem französischen Königreich Westfalen, das von dem König Jerome, dem Bruder Napoleons, regiert wurde. Die Hauptstadt dieses neugebildeten französischen Königreichs Westfalen war Kassel. Daran erinnert eine Redewendung, die wir auch heute noch manchmal gebrauchen. Wir sagen im Scherz: „ab mit dir nach Kassel“. Das war in jener Zeit das Schlimmste, was einem jungen Mann passieren konnte, denn „ab nach Kassel“ bedeutete: ab zur französischen Armee, um als Soldat für den Ruhm Napoleons auf den weiteren Schlachtfeldern Europas zu kämpfen und zu sterben. Eine große Last bereitetem die hier einquartierten Truppenteile der französischen Armee. Nach damaligem Recht mussten sie von ihrem Quartiersleuten verpflegt werden. Immer wieder wird die Klage laut, dass die fremden Soldaten so hohe Ansprüche stellen. Sie verlangten, dass ihnen nur die besten Speisen vorgesetzt würden. So manche Hausfrau wusste oft nicht, woher sie das nehmen sollte, was die Fremden verlangten. Mit Grausen dachten sie an die Zukunft, denn womit sollte sie die Ihren versorgen, wenn die Fremden alles verzehrt hatten. Hinzu kamen die großen Kriegssteuern, die den Gemeinden aufgelegt waren. Als im Jahre 1815 endlich der Friede zu Wien diesen Krieg beendete, war unser Land völlig verarmt.

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Bei den meisten Besitzungen in unserer Gemeinde reichten die Ackerflächen nicht mehr aus, um davon leben zu können. Man brauchte einen Nebenverdienst. Den brachte der Anbau von Flachs und seine Verarbeitung zu feinem Garn und zu gutem Leinen. Seit etwa 1840 macht sich auch in unserer Gegend die Erfindung der Spinnereimaschinen und der mechanischen Webstühle bemerkbar. Diese Maschinen konnten viel zu feiner spinnen, als die besten Spinnerinnen, und viel schneller weben, als die alten Handwebstühle. Auch war die eingeführte Baumwolle viel billiger, als der heimische Flachs.So war es mit dem guten Nebenverdienst vorbei. In den Jahren von 1840-1850 gibt es dann noch mehrere Missernten, so dass eine große Hungersnot hier einkehrt. Viele Gemeindeglieder sind damals nach Amerika ausgewandert ( – eine langsame Besserung dieser Notlage trat erst ein, als gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die Zigarrenindustrie bei uns heimisch wurde). Niemand wird bei diesen schlechten Verhältnissen daran gedacht haben, eine neue Kirche zu erbauen.

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