Jetzt ging es schnell weiter und im Sommer 1878 konnte man endlich mit den Bauarbeiten beginnen. Am 31. Juli 1878 fand die Grundsteinlegung unter großer Teilnahme der Gemeinde statt. Da man diese Feier vor der Roggenernte abhalten wollte, hatte man in der Eile ganz vergessen, die Familie der Stifterin und vor allen Dingen den Testamentsvollstrecker, Regierungsrat Süs, einzuladen. In dem Grundstein ist eine Urkunde eingemauert, die in Abschrift noch vorhanden ist. Sie wiederholt die Geschichte der Gemeinde in kurzen Zügen. Außerdem sollen in dem Grundstein die Schenkungsurkunde und die Errichtungsurkunde, sowie Bild der Frau Agathe Stille eingemauert sein. (Leider wissen wir nicht, wo der Grundstein sich befindet.)

kirchbild2Das Bauvorhaben der Kirche ging nun zügig voran und am 27. Juli 1880 konnte die Kirche eingeweiht werden. Darüber schreibt Pastor Winckler in einen Bericht vom Jahre 1880:

„Der Tag war ein rechtes Freudenfest für die Gemeinde. Es fand sich nicnt nur die eigene Gemeinde fast vollzählig ein, sondern auch die Nachbargemeinden, besonders die Muttergemeinde Gehlenbeck, waren durch sehr viele Glieder vertreten. Als Vertreter des Konsistoriums war der Generalsuperintendent Wiesmann erschienen, als Vertreter der Provinzialkirche der Präses Polscher, der synodalen Geistlichkeit mit dem Superintendenten der Synode Lübbecke, Pfarrer Erfling von Blasheim, an der Spitze hatten sich noch etliche Amtsbrüder aus dem Minden-Ravensbergischen angeschlossen. Von den weltlichen Behörden hatten sich der Regierungspräsident von Minden, von Pilgrim, der Landrath des Kreises , von Oheimb, und der Bürgermeister Lüders von Lübbeke, welcher zugleich Amtmann der Gemeinde ist, eingefunden. Vom Pfarrhause aus zog man, an der Spitze der Generalsuperintendent mit dem Ortspfarrer und das Presbyterium, welches die heiligen Geräthe trug, in die Kirche. Vor derselben nahm der derzeitige Patron, Regierungsrath Süs, das Wort, um kurz auf die Entstehung der Gemeinde hinzuweisen und den Wunsch auszusprechen, daß das Gotteshaus eine Stätte der Frömmigkeit und Gottesfurcht werden und aus dem Gotteshause ein Strom göttlichen Segens in die Gemeinde sich ergießen möge. Nachdem die Übergabe des Schlüssels durch den Baumeister der Kirche, Herrn Mölle aus Minden, erfolgt war, schloss der Pfarrer der Gemeinde die Kirche auf mit den Worten: Joh. 10,9; Ich bin die Thür, spricht der Herr etc. und herein strömte die Menge des Volkes unter dem Präludium der Orgel, die von dem Pfarrer Möller aus Alswede gespielt wurde. Nach Eingangslied und kurzer Liturgie hielt der Generalsuperintendent Wiesmann die Weiherede vom Altar aus in Anschluß an die Worte Matth. 11,28. Auf das Weihegebet folgte die Einweihung, worauf der Präses Polscher die Gemeinde als ein neues Glied der Provinzialkirche auf Grund von Ephes. 2, 19 folg. begrüßte. Damit war der erste Theil der Doppelfeier beendet. Es folgte nunmehr die Einführung des neues Pfarrers durch den Superintendenten Erfling, worauf der neu Eingeführte seine Antrittspredigt hielt im Anschluß an den Kirchweihtext Luc. 19,1-10. Zugleich übernahm er sein Amt in der Gemeinde mit der Taufe des 1.ten Kindes vor der Gemeinde, nach welcher dann der Generalsuperintendent mit dem Segen vom Altar aus die gesamte Feier schloß.“

kirchealtinnen

Der Bau der Kirche hat Wirklichkeit werden lassen, was die Stifterin sich gewünscht hatte: „sie soll würdig, solide und hinlänglich geräumig sein“.  Wenn man vom Turm aus durch die Windfangtür das Kirchenschiff betritt, kommt man in eine geräumige Halle, die 14 x 21 m groß ist. An der West-, Süd- und Nordseite sind Emporen angebracht, um möglichst viel Sitzplätze zu schaffen. Genau dem Eingang gegenüber sehen wir den Altar mit dem Kreuz, das aus der Isenstedter Kapelle stammt. Das Fensterbild darüber zeigt den Apostel Paulus mit dem zweischneidigen Schwert und den Apostel Johannes mit dem Kelch und darüber in einem kleinen Medaillon das Kirchensiegel unserer Gemeinde: das Lamm mit der Siegesfahne, von dem es in der Offenbarung des Johannes 5,12 heißt:

„Das Lamm, das erwürgt ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob“.

Damit werden wir auf das hingewiesen, was am Altar geschieht. Dort wird das heilige Abendmahl gefeiert, in dem der gekreuzigte und auferstandene Herr gegenwärtig bei uns ist unter der Gestalt von Brot und Wein. Zur Rechten fällt unser Blick auf den Taufstein und erinnert uns an unsere Taufe und an die uns dabei gegebene Verheißung Gottes:

„Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“ (Jes. 54,10)

Zur linken Seite sehen wir die Kanzel. Leider muss sie wegen der Emporen so hoch sein. Sie erinnert uns an das Wort der Bibel:

„Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit.“ 1.Petr.1,25

Dieses ewige Wort Gottes, nicht Menschenwort oder Menschenweisheit, soll dort verkündet werden. Es war mir, liebe Gemeinde, eine rechte Freude, die Geschichte der Entstehung unserer Kirchengemeinde in einem etwas größerem Rahmen darzulegen. Mein Dank gilt denen, die an der Durchführung dieser Arbeit mitgearbeitet haben, vor allen Dingen auch dem Presbyterium, das diesen Druck finanziell ermöglicht hat. Meine guten Wünsche gelten meiner alten Kirchengemeinde, der ich in ihrer 100-Jährigen Geschichte 29 Jahre als Pfarrer und noch 2 Jahre jetzt als ‚Hilfsarbeiter‘ dienen durfte.

„Herr ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“

Von der Liebe zu diesem Hause sollten diese Blätter Zeugnis geben. Meine Wünsche für die Zukunft der Kirchengemeinde kann ich nicht besser ausdrücken als Superintendent Kunsemöller sie am Schluss der Urkunde formuliert hat, die im Grundstein eingemauert ist.

„Der dreieinige Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist walte über den Kirchenbau in Gnaden, nehme die Kirche in seinen Schutz und Schirm, segne die Gemeinde auf Kind und Kindeskinder, erhalte dieselben beständig bei seinem Worte und Sakramente, gebe ihr allezeit gläubige treue Seelsorger und Hirten, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch sein eigen Blut erworben, als rechtschaffene Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse, daß sie erbaut werde in Frieden, im rechten Glauben und Bekenntnis und gottseligen Leben und Handel, Zur Ehre und zum Preise Gottes und der Seelen Heil und Seligkeit bis auf die Zukunft unseres Herr Jesu Christi, welchem samt dem Vater und dem heiligen Geiste sei Lob, Preis, Ehre und Anbetung von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“

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