Jetzt konnte die Gründung der neuen Kirchengemeinde erfolgen, der Termin der Schenkungsurkunde war eingehalten und der Neubau der Kirche war in greifbare Nähe gerückt. Die Verhandlungen darüber, was die neue Kirchengemeinde vom Vermögen der alten Gesamtgemeinde mitbekommen sollte, sind noch lange geführt worden. Wie sie geendet haben können wir aus der Errichtungsurkunde ersehen. Nachdem man nun in Gehlenbeck der Auspfarrung zugestimmt hatte, konnte der Antrag auf Errichtung der Kirchengemeinde Isenstedt – Frotheim seinen Weg durch die Behörden antreten – und dieser Weg war lang:
Er führte vom Superintendenten zum Konsistorium nach Münster und von dort zur Regierung nach Minden und endlich zum Ministerium für geistliche Angelegenheiten und zum evangelischen Oberkirchenrat, die sich beide in Berlin befanden. Die Berliner Dienststellen genehmigten den Antrag am 19. Mai 1877, darauf gab die Regierung in Minden in Zusammenarbeit mit dem Konsistorium in Münster die Errichtungsurkunde heraus. Sie ist in Minden am 30. Mai 1877 und in Münster am 7. Juni 1877 unterzeichnet worden.

Mit dieser Urkunde wurden viele wichtige Bestimmungen für unsere Gemeinde getroffen:

  1. Unsere Kirchengemeinde ist als evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. Der Rationalismus, von dem wir eingangs hörten, war am Bekenntnis der Kirche nicht interessiert und wollte es am liebsten abschaffen. Die Erweckungsbewegung hatte klar erkannt, dass mit der Abschaffung des Bekenntnisses dem Unglauben Tor und Tür geöffnet wird, dass dann auch der Inhalt der Bibel nicht nicht mehr gesichert ist. Darum wusste man, wie notwendig es ist, sich auf das Bekenntnis festzulegen die alte Muttergemeinde hielt sich zum lutherischen Bekenntnis. So war es selbstverständlich, dass das lutherische Bekenntnis auch für die neue Kirchengemeinde verbindlich wurde. Weil das so ist, darum lernen die Kinder in unserer Kirchengemeinde den kleinen Katechismus von Martin Luther. Leider meinen viele Erwachsene, dieses Buch sei nur für Kinder und bestimmt. Luther selbst hat gesagt, dass er jeden Tag den Katechismus betet. Der kleine Katechismus ist ein Buch fürs Leben. Jeder Soldat, der in den Krieg zieht, hat eine eiserne Aktion im Marschgepäck. Diese soll ihn in Notfällen zum Überleben helfen.
  2. beendet die Errichtungsurkunde die Auseinandersetzung über das Kirchenvermögen: Von dem Vermögen des gesamten Kirchspiels bekommt unsere Kirchengemeinde nichts mit. Im Gegenteil: für den Pfarrer, Kantor und Küster in Gehlenbeck sind, solange dieselben noch im Amt sind, jährliche Ausgleichszahlungen zu leisten. Diese Zahlungen sind bis 1886 auch gezahlt worden und dann im allgemeinen Einvernehmen eingestellt worden.
  3. pfarrhaus1910Für die Pfarrwahl hatte die Stifterin ein Mitspracherecht gefordert. Nach langen Verhandlungen zwischen dem Testamentsverwalter, der Kirchenleitung und den Vertretern der neuen Kirchengemeinde hatte man sich auf folgende Abmachung geeinigt:“Bei der ersten Besetzung der Pfarrstelle präsentiert das Königliche Konsistorium den Besitzern von Renkhausen drei Kandidaten., aus welcher Zahl derselben den ihn genehmen zu designieren das Recht hat, bei der zweiten Besetzung präsentiert die Gemeinde die drei Kandidaten, und steht dem Besitzer in gleicher Weise die Befugnis zu, unter diesen drei Kandidaten den ihm am meisten genehmen dem Königlichen Konsistorium zur Ernennung zu designieren. Von da ab  alterniert das Präsentationsrecht zwischen Konsistorium und Gemeinde.“Diese Bestimmung ging von der Voraussetzung aus, dass die Familie Stille immer im Besitz des Gutes Renkhausen bleiben würde. Jedoch 25 Jahre nach diesen Abmachungen verkaufte der Enkel der Stifterin das Gut. Damit war diese Bestimmung hinfällig und die Besetzung der Pfarrstelle erfolgte nach den Vorschriften unserer Kirchenordnung. Endlich
  4. wurde auch die Fürbitte im Schlussgebet des Gottesdienstes verankert. Auf „allerhöchsten Erlaß“, d..h. auf Erlass des Ministeriums in Berlin wurde in das Fürbittengebet folgender Satz eingeschoben:

„Auch befehlen wir Deiner Obhut o Gott, die Familie des Gutes Renkhausen. Laß Deinen Segen auf ihr ruhn und. Deinen Frieden bei ihr bleiben.“

So war nach langen Verhandlungen endlich die neue Kirchengemeinde Isenstedt-Frotheim Wirklichkeit geworden. Da eine selbständige Kirchengemeinde auch eine rechtliche Vertretung braucht, so wurden alle wahlberechtigten Einwohner zum 5. September 1877 zur Wahl der Repräsentanten in die Schule Isenstedt eingeladen. Dort wurden aus Isenstedt und Frotheim in geheimer Wahl je 20 Repräsentanten gewählt. Die erste Aufgabe dieser Repräsentanten war es, aus ihrer Mitte je 3 Presbyter für Isenstedt und 3 für Frotheim zu wählen. Dies geschah am 23. September 1877. Es wurden gewählt zu Presbytern:

aus Isenstedt:

  • Vorsteher Pepsin, Nr. 133
  • Colon Spechtmeyer, Nr. 4
  • Colon Lange, Nr. 25

aus Frotheim:

  • Colon Jostmeyer, Nr. 15
  • Colon Schütte, Nr. 4
  • Colon Quade, Nr 24

Außerdem wurde als Kirchmeister Rentmeister Overmeyer zu Renkhausen gewählt.

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