Diese Vertretung hatte nun die große Aufgabe, die Planung und den Bau der Kirche zu Ende zu bringen. Mit dem Planen für die neue Kirche hat man gleich nach der Annahme der Schenkung durch die Einwohner von Isenstedt und Frotheim begonnen. Schon die Stifterin hat aus diesem Grunde Anfang des Jahres 1874 Verhandlungen mit dem Kreisbaumeister Harhausen aus Herford geführt. Sie hätte gern zu ihren Lebzeiten die Kirche noch fertig gesehen. Doch schon am 19. Oktober 1874 wurde sie heimgerufen. Gleich nach ihrem Tod hat ihr Schwiegersohn die Verhandlungen, die sie begonnen hatte, fortgesetzt. Ende Februar 1875 legte Harhausen seinen Plan vor. Unterlagen davon liegen nicht vor. Er ist nicht zur Ausführung gekommen, weil das Bauamt der Regierung ihn nicht genehmigte.

Als dann die Auspfarrung unserer Gemeinde am 10. September 1875 beschlossen war, erhielt der Superintendent Kunsemüller, der in Wehdem Pfarrer war, vom Konsistorium in Münster den Auftrag, möglichst umgehend einen Bauplan zu besorgen. Dieser ging sofort ans Werk. Von dem kirchlichen Bauverein für Rheinland und Westfalen ließ er sich als geeigneten Architekten den Königlichen Bau- Inspektor Berghauer in Liegnitz empfehlen. Schon am 14. September 1875 unterbreitete er diesem seine Wünsche. Berghauer machte sich auch sofort an die Arbeit und am 18. Oktober schon traf sein Plan mit Erläuterungsbericht ein. Alle waren erfreut darüber, nur das Bauamt der Regierung nicht, das seine Zustimmung nicht gab. Es war auch bestimmt nicht leicht, einen Entwurf für unsere Kirche zu erstellen, da insgesamt fünf Stellen ihn genehmigen mußten:

  1. die Vertretung unserer Kirchengemeinde,
  2. der Superintendent,
  3. der Testamentsverwalter,
  4. das Konsistorium in Münster und
  5. das Bauamt der Regierung in Minden.

Die Vertreter unserer Kirchengemeinde waren zu allen vernünftigen Kompromissen bereit. Sie erschwerten aber die Durchführung der Planung dadurch, dass sie immer neue Wünsche wegen des Bauplatzes vorbrachten: 1875 wurde der jetzige Kirchplatz als Standort der neuen Kirche beschlossen. 1876 hört man von erneuten Grundstücksverhandlungen, von denen es dann heißt:

„jedoch steigern die Anlieger ihre Forderungen auf ein unbescheidenes Maß, daß möglicherweise ein anderer Bauplatz in Erwägung zu ziehen ist.“

Wo dieses Grundstück lag, ist nicht zu ermitteln. 1877 werden die Vertreter unserer Gemeinde wieder bei Regierungsrat Süs vorstellig und exklären: die Mehrheit der Gemeinde wünsche, dass die Kirche an der

„Frotheim-Fiesteler-Chaussee auf dem Isenstedter Hügel bei Baus Nr.66“

erbaut werde.

entwurfkirche

Am 6. Dezember 1877 wird unter all diese Verhandlungen ein Schlussstrich gezogen und beschlossen, unsere Kirche am jetzigen Standort zu bauen. Auch die andern genannten Stellen waren stets zu Verhandlungen bereit, nur: das Bauamt der Regierung nicht, das schon zwei Baupläne abgelehnt hatte. Darum entschloss man sich, den dritten Plan von einem leitenden Beamten dieser Behörde anfertigen zu lassen. Im Herbst 1876 kann man den Regierungs-Baurat Pietsch in Minden für diese Aufgabe gewinnen. Am 8. November 1876 legt er seinen Plan vor, der in der Anlage beigefügt ist. Alle Stellen stimmen zu, die Regierung allerdings mit Vorbehalten. Sie verlangt, dass zur Erteilung der Baugenehmigung noch eine Reihe von Unterlagen erbracht werden müssen. Das Bauamt der Regierung konnte diesen 5. Plan auch unmöglich ablehnen. Es konnte doch einem Mitglied seiner eigenen Behörde nicht entgegentreten. Außerdem war der Entwurf von Pietsch nur eine unwesentliche Kopie aus einer Sammlung von Musterblätter für Kirchenbauten, die der preußische Staat 1848 herausgegeben hatte. Als Baurat Pietsch sich nun ans Werk machte, die fehlenden Unterlagen zu erzielen, wurde er nach Oppeln versetzt. Ein halbes Jahr lang musste man nach einem geeigneten Mann suchen, der die Bauunterlagen fertigstellte. In November 1877 übertrug man dem Baumeister Moelle aus Minden diese Aufgabe. Doch er erstellte zunächst nicht die fehlenden Unterlagen, sondern arbeitete den Plan des Baurates Pietsch völlig um. Dadurch erhielt unsere Kirche ihre heutige Gestalt.

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