Wie geht es nun weiter mit der Konstituierung unserer Kirchengemeinde und dem Bau der Kirche? Zunächst musste die Vertretung des Kirchspiels Gehlenbeck gefragt werden, ob sie der Auspfarrung von Isenstedt und Frotheim zustimme. (Die Vertretung einer Kirchengemeinde bestand früher aus dem Presbyterium dem Repräsentanten. In Gehlenbeck waren es damals 14. Presbyter und 60 Repräsentanten.) Diese Vertretung wurde vom Konsistorium für den 19. Februar 1874 zu einer Sitzung zusammengerufen, um über die Auspfarrung zu entscheiden. Anwesend waren 14 Presbyter und 52 Repräsentanten. Nur 29, meistens Abgeordnete aus Isenstedt und Frotheim, stimmten für die Auspfarrung. Damit war der Antrag abgelehnt. Der Grund für die Ablehnung war die Angst, die Lasten für den Unterhalt der Kirche und des Pfarrers, sowie für den Organisten und den Küster könnte für die Restgemeinde zu groß werden. Wie wenig man diese ablehnende Haltung verstehen konnte, geht aus dem Bericht der Kreissynode Lübbecke vom 8. Juli 1874 hervor. Nachdem die Angelegenheit vom Superintendenten eingehend vorgetragen war, passte die Synode den folgenden Beschluss:

„Synode bezeugt ihre dankbare Anerkennung für die zur Gründung einer selbstständigen Kirchengemeinde Isenstedt-Frotheim ausgesetzte Schenkung. Synode erklärt gleichzeitig ihre Anerkennung, dass durch die Geschenkgeberin in der angegebenen Weise einem vorhandenen kirchlichen Bedürfnis in erfreulicherweise Abhilfe gewährt wird.“

War damit die Errichtung der Kirchengemeinde unmöglich geworden? Fiel damit die Schenkung an die Familie Stille zurück? Als ob nichts geschehen wäre, ließ das Konsistorium am nächsten Tage, am 20. Februar 1874, durch die Wahlberechtigten aus Isenstedt und Frotheim 25 Repräsentanten wählen. Diese sollten unsere zukünftige Gemeinde in allen Fragen der Auspfarrung und des Neubaus der Kirche vertreten. Diese Repräsentanten tagten unter dem Vorsitz des Amtmann Lüders. Sie haben sich mit den verschiedenen Plänen für den Kirchenbau, aber auch mit den Bestimmungen der Schenkungsurkunde über die Pfarrwahl, über die Plätze für Renkhausen, so wie über das Fürbittengebet für die Familie der Stifterin auseinandergesetzt. Für den 10. September 1875 rief das Konsistorium in Münster dann zusammen mit der Regierung in Minden erneut eine Sitzung des Presbyteriums und der Repräsentanten des gesamten Kirchspiels ein, um die Angelegenheit endgültig zu klären. Welche Bedeutung man dieser Sitzung beimaß, ist schon daraus zu ersehen, dass beide Behörden durch leitende Beamte vertreten waren. Aber auch in Gehlenbeck merkte man, dass die Entscheidung an diesem Tage fallen würde: es waren alle 14 Presbyter und dazu 59 Repräsentanten erschienen. Nur ein Repräsentant fehlte krankheitshalber. Es sprach zunächst der Konsistorialrat Niemann aus Münster. Er führte aus: die Gemeinde sei an Seelenzahl zu groß für einen Pfarrer, auch liege die Kirche zu ungünstig für den Seelsorgerlichen Dienst des einen Pfarrers in der weit verzweigten Gemeinde. Außerdem sei die Kirche in Gehlenbeck zu klein für die große Gemeinde. Aus diesem Grunde müsste eine Änderung eintreten. Dafür gäbe es zwei Möglichkeiten:

  1. Isenstedt und Frotheim würden ausgepfarrt und erhielten eine eigene Kirche und einen eigenen Pfarrer. Der größte Teil der Kosten sei durch die Schenkung gedeckt.
  2. Wenn man dem nicht zustimme, würde die Kirchenleitung wegen der dargelegten Missstände fordern, dass in Isenstedt oder Frotheim eine Filialkirche gebaut und eine zweite Pfarrstelle errichtet würde. Die Kosten dafür habe dann das gesamte Kirchspiel Gehlenbeck zu tragen.

Dann sprach der Oberregierungsrat von Schlierstade aus Minden. Er machte am Schluss seiner Ausführungen den Vorschlag, zuerst über die Austragung abzustimmen, die Auseinandersetzung über die Teilung des Kirchenvermögens auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen.
Dieser Vorschlag wurde angenommen und man schritt zur Abstimmung. Darüber bemerkt das Protokoll:

„Es wurde die Frage, ob Versammlung die Gemeinde in Isenstedt und Frotheim zur Neubildung eines eigenen Pfarrsystems aus dem bisherigen Verbandes entlassen wolle, durch Abstimmung und zwar dahin entschieden, dass eine Majorität von drei Stimmen die Entlassung der Gemeinden Isenstedt und Frotheim zum Beschluss erhob.“

Weiter …