Zusammenfassend können wir feststellen: wenn auch geistliches Leben neu erblüht war, wenn auch diese Prophezeiung des alten Niermann vorlag, so hat kaum jemand an ihre Erfüllung in nächster Zeit gedacht. Da erhielten Isenstedt und Frotheim ein Geschenk, wovon zu träumen niemand gewagt hatte: Am 16. September 1873 stellte Frau Witwe Agathe Stille, geborene Heidsiek, zu Renkhausen ein Kapital von 30.000 Talern zur Errichtung einer selbstständigen Kirchengemeinde zur Verfügung. Diese Schenkung war an sechs Bedingungen geknüpft, von denen die erste auch gleich die wichtigste ist.

Die erste Bedingung: „Die Abzweigung der Gemeinden Frotheim und Isenstedt nebst dem Gut Renkhausen von der Kirchengemeinde Gehlenbeck und die Konstituierung der vorgenannten Ortschaften zu einer besonderen selbstständigen Kirchengemeinde muss endgültig bis zum 31. Dezember 1875 erfolgt sein.“ Wie nötig und zugleich heilsam diese Bedingung war, werden wir sehen, wenn wir den weiteren Verlauf der Verhandlungen verfolgen.

Die zweite Bedingung, die mehr ein Wunsch der Stifterin ist, befasst sich mit dem Standort der zukünftigen Kirche. Frau Stille wünscht, dass die Kirche dort erbaut werden soll, wo sie jetzt steht. Damit steht die Kirche zwar nicht im Mittelpunkt unserer Gemeinde, aber an einer Stelle, die die Stifterin gut sehen und schnell erreichen konnte. Oder waren es nur praktische Überlegungen? Dieses Grundstück gehörte der Gemeinde Isenstedt. Es war, wie schon erwähnt, ursprünglich ein Schafteich gewesen. 1871 lies das Gut Renkhausen die angrenzenden Äcker (das ’neue Feld‘) drainieren. Dadurch vertrocknete der Teich. Wenn jetzt die Kirche dort errichtet wurde, dann konnte man annehmen, dass die Gemeinde Isenstedt das Grundstück schenken werde und man so Baukosten sparen konnte! Die Stifterin erklärte sich aber gerne bereit, ihr Einverständnis zu einem anderen Bauplatz zu geben. Von diesem Anerbieten hat man Gebrauch gemacht. Als man den Bau der Kirche plante, hat man nach einem Bauplatz gesucht, der mehr im Mittelpunkt der Gemeinde lag. Man war der Meinung, dieser ehemalige Teich sei als Bauplatz ungeeignet. Doch alle Grundstücksverhandlungen scheiterten. Als dann noch ein Gutachten des Baumeisters Moelle, des Erbauers der Kirche, die letzten Zweifel an der Brauchbarkeit des Grundstücks zerstreute, war es entschieden, dass unsere Kirche an der Stelle gebaut wurde, die die Stifterin gewünscht hatte. Es war zugleich der Ort, den die Prophezeiung des alten Niermann angegeben hatte.

Die dritte Bedingung betrifft dann den Kirchenbau selbst: „die Kirche soll würdig und solide gebaut und hinlänglich geräumig sein.“ Der unter diesen Vorbedingungen erstellte Bauplan muss die Zustimmung der Stifterin finden. Bei der Erörterung über den Kirchenbau muss darauf noch näher eingegangen werden.

Die vierte Bedingung hat eine größere Tragweite: bei der ersten Pfarrwahl und bei allen folgenden möchte die Stifterin und ihre Nachfolger auf Renkhausen einen entscheidenden Einfluss haben. Darüber hat es manche Auseinandersetzungen gegeben, die bei der Besprechung der Errichtungsurkunde dargelegt werden sollen.

Die fünfte Bedingung ist ganz selbstverständlich: die Stifterin wünscht für sich und ihre Familie, für das gutes Personal und für die Arröder angemessene Plätze in der Kirche. Beim Bau der Kirche hat man diesem Wunsche entsprochen und an der Südseite, neben dem Eingang zur Taufkammer, einen separaten Eingang geschaffen, der über eine Treppe zur Renkhauser Empore führte. Die Älteren unter uns wissen noch, wie der Ostteil der Südempore aufgeteilt und mit besonderen Sitzen versehen war.

Die sechste Bedingung enthält den Wunsch der Stifterin, dass ihrer und ihrer Familie im Fürbittengebet gedacht werden. Auch darüber sollen weitere Einzelheiten bei der Besprechung der Errichtungsurkunde mitgeteilt werden.

In den Schlusssätzen der Schenkungsurkunde wird noch einmal das Anliegen der ersten Bedingung deutlich gemacht, denn da heißt es: „soll die definitive Konstituierung nicht bis zum 31. Dezember 1875 erfolgt sein, so halte ich mich an meine gegenwärtige Verpflichtung nicht gebunden und werde über die zu schenkende Summe von 30.000 Thalern anderweitig verfügen.“

Damit ging diese Urkunde an die beiden Vorsteher der politischen Gemeinden Isenstedt und Frotheim. Sie sollten die wahlberechtigten Mitglieder der Gemeinde fragen, ob sie diesem Wunsche der Stifterin nach Bildung einer eigenen Kirchengemeinde und dem Bau einer eigenen Kirche zustimmten. Wie freudig man diese neue Möglichkeit ergriff, geht aus der Tatsache hervor, dass diese Befragung schon zehn Tage später erfolgte. Dabei erklärten sich die Anwesenden einstimmig mit den Bedingungen der Schenkungsurkunde einverstanden.

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